Wettbergens Geschichte

ab 1430

Wetberga - die Siedlung am steilen Berghang II

von Peter Seifried

Das Dorf Wettbergen gewinnt erst ab etwa 1430 Konturen. Seit dieser Zeit belegen vielfältige Steuererhebungs-Listen ("Schatzregister") die bäuerlichen Lebensverhältnisse dieses durchschnittlichen Orts im Calenberger Land. Recht stabil lassen sich zunächst 8 Vollmeierstellen, 3 Halbmeierstellen und 17 kleinbauerliche Kötnerstellen nachweisen, die sich um die 1447 erstmals erwähnte Kirche gruppierten. Voll- und Halbmeier waren in der Lage, eine Familie allein aus der bäuerlichen Arbeit zu ernähren. Kötner mussten dazuverdienen, sei es als Hilfskräfte auf den großen Höfen, sei es mit nicht-bäuerlicher Tätigkeit, etwa als Krüger oder Schmied. 1689 lebten insgesamt 232 Menschen in Wettbergen.

Wiederholt wurde das Dorf von kriegerischen Ereignissen heimgesucht. 1519 wurde es während der Hildesheimer Stiftsfehde zerstört, 1580 erneut. 1625 litt es unter der kaiserlichen Besatzung des Dreißigjährigen Kriegs, 1757/58 unter französischer Besatzung während des Siebenjährigen Kriegs.

Die Kirche, 1580 zerstört, wurde buchstäblich "auf Sand" wiederaufgebaut und musste bereits 1696 vollständig neu errichtet werden. Das Patronat der Kirche - und damit das Vorrecht zur Auswahl des Pastors - gehörte seit 1524 der hannoverschen Patrizierfamilie Volger, die es 444 Jahre lang, bis 1968 (!), innehatte.

Das Leben der Wettberger war bestimmt durch den bäuerlichen Rhythmus und die Gebundenheit der feudalen Arbeit. Säen und Ernten auf den umliegenden fünf Feldern (Lohfeld, Bergfeld im Norden, Ronnenberger Feld, Peperfeld, Schiereichsfeld im Westen und Süden, Gretelfeld im Osten, sowie später Auf dem Rod im Nordosten, dem heutigen Bereich des Ricklinger Stadtfriedhofs) bestimmten den Ablauf des Jahres. Abgaben und Dienste für die Grundherren der Hofstellen, mit denen die Besitzer "bemeiert" waren, belasteten Arbeitszeit und Erträge der Bauern. Ab 1639 gab es ein freies Rittergut in Wettbergen, das in der Folgezeit verschiedenen Eigentümern gehörte. 1969 wurde der "Edelhof" abgerissen und an seiner Stelle die Altenbetreuungsstätte eingerichtet.

Mit den Agrarreformen des 19. Jahrhunderts wurden die feudalen Bindungen aufgelöst. 1857 erhielt Wettbergen eine neue Eigentumsstruktur. Die zuvor verstreut liegenden Feldstücke der einzelnen Hofstellen wurden "verkoppelt", neue Wege angelegt, so etwa die "Neue Straße".

Verkoppelungskarte
Verkoppelungskarte der Feldmark von Wettbergen 1838 (Ausschnitt). Original im Niedersächsischen Hauptstaatsarchiv Hannover

Der Eisenbahnbau und insbesondere die Industrialisierung im benachbarten Linden führten in der Folgezeit zu einer starken Veränderung der Bevölkerungsstruktur in Wettbergen. Zwar blieb die Landwirtschaft bis in die 1960-er Jahre der bestimmende Faktor. Gemüse- und der neue Zuckerrübenanbau boten in der fruchtbaren Calenberger Börde und mit dem ständig wachsenden Markt des nahen Hannover gute Einkünfte. Der Zuzug von vielen Menschen, die nicht in der Landwirtschaft, sondern bei der Eisenbahn oder in der Industrie beschäftigt waren, änderte aber grundlegend die Struktur der Einwohnerschaft. Wettbergen wurde früh zu einem Vorort Hannovers, in dem Menschen, die in der Stadt arbeiteten, ihren Feierabend verbrachten. Seit den 1960-er Jahren trug eine rege Bautätigkeit dem Rechnung, und seit dem 1. März 1974 ist Wettbergen ganz offiziell ein Teil der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover.

Rittergut Wettbergen
Das Rittergut Wettbergen (der "Edelhof") 1879. Zeichnung des damaligen Besitzers Rolf von Rettberg

Der Autor ist gelernter Historiker und lebt seit 1980 (mit wenigen Jahren Unterbrechung im benachbarten Oberricklingen) in Wettbergen. 1984 veröffentlichte er "WETBERGA. Kleine Chronik von Wettbergen 1055-1857". Exemplare können zum Preis von 5,00 Euro noch direkt beim Autor (Email) erworben werden.

Wettbergen vom Amt zum Kreis zur Stadt
Dieser Artikel und die Grafiken wurden uns freundlicherweise von Peter Seifried zur Verfügung gestellt
Peter Seifried ist gelernter Historiker und lebt seit 1980 (mit wenigen Jahren Unterbrechung im benachbarten Oberricklingen) in Wettbergen. 1984 veröffentlichte er "WETBERGA. Kleine Chronik von Wettbergen 1055-1857". Exemplare können zum Preis von 5,00 Euro noch direkt beim Autor (Email) erworben werden.